Closed vs Open BIM

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der ein Rohstoffproduzent sein Transportnetz aufkauft. Danach beginnt er, sich die Raffineriekapazitäten und den Endverkaufsort einzuverleiben. Ein paar Jahre später hat er die Preiskontrolle über den Markt übernommen, als er über 90 Prozent der Produktion dieses Rohstoffs in den USA kontrollierte. Das Unternehmen ist nicht mehr so innovativ und kauft lieber lästige Konkurrenten auf oder kopiert deren Praktiken direkt. Am Ende leidet der Endkunde unter dem fehlenden Wettbewerb. Kartelle oder Monopole sind nicht per se falsch, denn manchmal könnte man aus der Perspektive des Gesetzes des Dschungels argumentieren, dass sie eine natürliche Folge des Kapitalismus sind. Aber wir müssen uns alle einig sein, dass etwas im Sinne von Innovation und Wachstum verloren gehen könnte.

Aus der Unternehmensstrategie kann man lernen, dass es für ein Unternehmen zwei gute Möglichkeiten der Expansion gibt. Die horizontale oder die vertikale Expansion. Wenn man vertikal expandiert, möchte man Ineffizienzen in der Wertschöpfungskette abbauen und die Kunden möglichst an das eigene Leistungsangebot binden. In der Softwarebranche ist es weit verbreitet, dass durch vertikale Expansion natürliche Monopole entstehen, und das gilt erst recht für die AEC-Branche. Es handelt sich um eine leicht zu skalierende Branche, und es ist nur natürlich, die Kunden an die eigenen Arbeitsabläufe zu binden.

 

Geschlossenes BIM-System

Man braucht nur einen Blick auf Autodesk und sein BIM (Building Information Modeling)-Angebot zu werfen, um eine vertikale Integration in diesem Prozess zu erkennen. Es ist wirklich bewundernswert, wie sie ihre Kunden an sich binden, indem sie alles von BIM-Modellerstellungstools bis hin zu einer Feldanwendung anbieten. Wenn man ihr komplettes Angebot nutzt (goldener Käfig), ist es sehr schwierig, auszubrechen (es sei denn, man ist ein Fanatiker offener Standards). Denn man stößt auf alle möglichen Probleme, mit denen man sich auseinandersetzen müsste, wenn man sich für die Alternative entscheidet. Typische Beispiele hierfür sind der korrekte Export von IFC-Modellen (Industry Foundation Classes)oder das stundenlange Warten auf den Abschluss des Exports (d. h., dass Ihr Rechner während des Exports einfriert).

Siehe: Was ist IFC, der Hauptbestandteil von Open BIM?

Ein weiteres häufiges Missverständnis, das wir feststellen können, ist, dass die Teilnehmer der Branche, die Open-BIM-Workflows ausprobieren, erwarten, dass sich die IFC-Datei wie eine Original-Authoring-Tool-Datei verhält. Sie sehen es nicht als ein Verteilungsformat für die Zusammenarbeit an. Also überfrachten sie die Modelle mit Details und beschweren sich dann, dass die Modelle zu schwer zu laden sind. Wenn man sich im Ökosystem von Autodesk befindet, muss man sich mit diesen Herausforderungen nicht auseinandersetzen. Navisworks ist vielleicht nicht der beste Kollisionsprüfer der Welt, aber Autodesk hat es wirklich geschafft, diese Ineffizienzen bei der Zusammenarbeit zwischen (ihren) Produkten auszubügeln.

In den meisten Ländern der Welt hat die Software von Autodesk eine marktbeherrschende Stellung inne. Wir haben festgestellt, dass die Kunden, wenn sie uns ihre eigene Vorstellung von BIM erläutern, in Wirklichkeit von Revit sprechen. Offene BIM-Software ist ihnen fremd, auch wenn sie ihre Wahl hinsichtlich der Interoperabilität zwischen verschiedenen Softwarelösungen schätzen.

 

Was ist die Alternative zu Closed BIM?

Nun, das ist die Open-BIM-Bewegung, die von BuildingSmart. vorangetrieben wird. Das Gute an den offenen BIM-Software-Betrachtungssystemen (hier sind 5 gute Gründe für die Verwendung von Open BIM)ist, dass eine Version des IFC-Modells mit verschiedenen Softwareprogrammen wie Archicad oder Revit kompatibel ist. Außerdem kann man effiziente Arbeitsabläufe zwischen Solibri (einem erstklassigen Kollisions- und Modellprüfprogramm) und einer Plattform wie Bimsync (oder einem unserer anderen Open-BIM-Wettbewerber) aufbauen, ohne in ein Ökosystem eingesperrt zu sein. Aber wir sehen Kompromisse, da man immer noch mit den Ineffizienzen bei den IFC-Exporten (aus Revit) oder sogar mit der Frage einer Kreislaufwirtschaft arbeiten muss. Ein Lichtblick ist, dass BlenderBIM versucht, tatsächlich eine Kreislaufwirtschaft mit IFC zu erreichen, aber wird es für viele Benutzer zu spät sein? Denn die IT-Abteilungen sitzen in ihren Büros auf der ganzen Welt und wählen in diesem Moment Software aus. Und wer standardisiert nicht gerne auf Software, die nicht zukunftsfähig ist?

Um den ersten Absatz der Geschichte über Standard Oil im 19. Jahrhundert mit unserer Einschätzung der Bausoftwarebranche zu verknüpfen, nämlich dass Autodesk sein vertikales Angebot verschlingt und ausbaut wie die Rohstoffunternehmen von einst. Damit wir im Open-BIM-Segment eine echte Alternative zu einem Beinahe-Monopol wie Autodesk bieten können, müssen wir unseren Anwendern auch die unbequemen Wahrheiten über die Kompromisse sagen, die sie eingehen müssen, wenn sie sich entweder für ein Open-BIM- oder ein geschlossenes BIM-Ökosystem entscheiden. Aber wenn wir ehrlich sind, können wir den Anwendern zumindest eine korrekte Perspektive bieten und vielleicht auch ihre Erwartungen an die Möglichkeiten eines offenen BIM-Workflows steuern. Vielleicht führt das in Zukunft zu zufriedenen Erstanwendern und letztlich zu einer weniger geschlossenen BIM-Monopolsituation in unserer Branche?

 

Open bim building information modeling
Closed BIM vs Open BIM

Per Quang Fjellstad, Head of Sales Nordics at Catenda.

 

Featured Image source: Building Information Modeling: Why? What? Und wie? – Authors: André Borrmann, Markus König, Christian Koch, Jakob Beetz, 2018.

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